Latein

Das Fach Latein an der Theodor-Mommsen-Schule

Vielfach wird heute nach der Legitimation des Schulfaches Latein gefragt, und im Folgenden sollen zunächst einige Überlegungen zum Sinn und Nutzen des Lateinlernens allgemein angestellt werden.

 

1. Sinn und Nutzen des Lateinunterrichts

● Latein stärkt die sprachliche Kompetenz (insbesondere in der deutschen Muttersprache). Jede lateinisch-deutsche Übersetzung – und das Übersetzen lateinischer Texte ist nach wie vor ein zentrales Element des Lateinunterrichts – ist immer auch eine intensive Auseinandersetzung mit den Gesetzmäßigkeiten und Charakteristika der eigenen Sprache. Da im Lateinunterricht spätestens ab dem vierten Lernjahr literarische Werke von Weltrang Grundlage des Übersetzens sind, wird im Lateinunterricht in besonderem Maße die Ausdrucksfähigkeit bzw. Sprachgenauigkeit im Deutschen und das Bewusstsein des eigenen deutschen Sprachgebrauchs geschult und gestärkt.

● Latein erleichtert den Zugang zu vielen modernen europäischen Sprachen. Ein großer Teil des Vokabulars – insbesondere der romanischen Sprachen – Europas stammt aus dem Lateinischen. Ähnliches lässt sich für die Grammatik dieser Sprachen sagen, wobei der Vergleich mit der lateinischen „Ursprache“ darüber hinaus wichtige Einblicke in die Gesetzmäßigkeiten und das Funktionieren von Sprache überhaupt gewährt.

● Latein schärft das Textverständnis und die Lesekompetenz. Das so genannte mikroskopische Lesen sowohl sprachlich-syntaktisch als auch inhaltlich komplexer lateinischer Texte schärft die Sinne und das Verständnis im Umgang mit vielschichtigen Texten. Dieser Effekt zeigt sich sowohl in der Muttersprache wie auch bei solchen Fremdsprachen, deren Beherrschung kein vorrangig grammatikalisches Problem ist. Eine solche Stärkung der Lesekompetenz gilt jedoch unbestreitbar als eine Schlüsselkompetenz unserer Zeit.

● Latein stärkt die Befähigung zu systematischen Erarbeitungsprozessen. Aufgrund sowohl der Struktur der lateinischen Sprache als auch der Tatsache, dass ihr Erwerb vor allem auf Basis der Übersetzung geschriebener Texte erfolgt, ist das Erlernen von Latein ein besonders systematischer Prozess. Als Methode lässt sich eine solchermaßen eingeübte systematische Herangehensweise auch auf die Erarbeitung anderer Themenkomplexe, Sachverhalte und Zusammenhänge gewinnbringend übertragen.

● Latein erleichtert den Zugang zur internationalen Wissenschaftssprache. Bereits ein flüchtiger Blick in überregionale Tageszeitung zeigt, dass die moderne Bildungssprache eine Vielzahl von Fremd- und Lehnwörtern bzw. Fachausdrücken lateinischen Ursprungs beinhaltet. Dies gilt in noch weit höherem Maße für die moderne Wissenschaftssprache. Der Lateinunterricht erleichtert hierbei insofern den Zugang, als er frühzeitig mit diesem Vokabular vertraut macht.

● Lateinkenntnisse sind Voraussetzung vieler Studienfächer. Für das Studium einer Reihe von Fächern ist der Nachweis von Lateinkenntnissen – zumindest im Rahmen des „Kleinen Latinum“ – nach wie vor Voraussetzung. Sowohl Erfahrung als auch empirische Untersuchungen sprechen dafür, dass diese Lateinkenntnisse während der Schulzeit leichter erworben werden als neben dem Studium.

● Latein stärkt die Bewusstmachung der eigenen Identität. Im Geschichtsunterricht wird der Antike und ihrer Fortwirkung immer weniger Unterrichtszeit eingeräumt. Eine Einsicht in die eigene kulturelle Identität wird dadurch erschwert. Die Auseinandersetzung mit lateinischen Texten aus Antike und Mittelalter kann einen wesentlichen Schlüssel zum Verständnis der politischen und kulturellen Grundlagen Europas – angefangen bei Verwaltungsprinzipien, Rechts- und Verfassungsgrundsätzen bis hin zu Vorstellungen einer gesamteuropäischen „corporated identity“ – bieten. Die (römische) Antike ist so in hohem Maße geeignet, im Vergleich mit der eigenen kulturellen Identität, diese besser begreifen zu lernen.

 

 

2. Besonderheiten des Lateinunterrichts

Im Lateinunterricht ist Sprache nicht bloßes Kommunikationsmittel, sondern auch Mittel zur Sprachreflexion.

● Vor allem im Anfangsunterricht werden Einzelformen und Satzstrukturen genau betrachtet, decodiert und analysiert. So entscheidet mitunter ein einziger Buchstabe am Ende eines Wortes über den Sinn eines ganzen Satzes. Hinzu kommen mit zunehmender Sicherheit im Elementarbereich die präzise Analyse von Satzstrukturen, Textaufbau, Stil bzw. Stilmitteln sowie schließlich der Intention des jeweiligen Autors. 

● Im Zentrum des Lateinunterrichtes stehen (literarische) Texte. Dieser Umstand ist vor allem in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: Der Erwerb einer Sprache hauptsächlich „über das Auge“ ist lerntheoretisch anspruchsvoller als das bei modernen Fremdsprachen praktizierte System von trial-and-error.  Zudem bedient sich die Schriftsprache einer in der Regel komplexeren sprachlich-syntaktischen Struktur als die gesprochene Sprache. Dies gilt umso mehr dann, wenn – wie ab dem dritten (Latein III) bzw. vierten (Latein II) Lernjahr – Werke der antiken Literatur im Zentrum des Unterrichts stehen.

● Mit fortschreitender Beherrschung der lateinischen Sprache werden im Lateinunterricht über die Auseinandersetzung mit der Literatur der Römer hinaus auch nichtliterarische Quellen aus der (römischen) Antike hinzugezogen. Hierzu gehört insbesondere das gesamte Spektrum der Archäologie, angefangen von der bildenden Kunst und Architektur bis hin zu den Spezialgebieten von Epigraphik und Numismatik. Jeweiliger Bezugspunkt ist jedoch die antike Literatur.

 

3. (Erleichternde) Voraussetzungen für das Erlernen der lateinischen Sprache

● Spaß am Kombinieren und am geduldigen Puzzlen. Die lateinische Sprache verfügt über erstaunlich logische, zugleich aber auch komplexe Strukturen. Vor allem in der Spracherwerbsphase setzt dies ein hohes Maß an detektivischem Scharfsinn sowie Geduld voraus, wobei beides in einem gewissen Wechselverhältnis zum Lernerfolg steht.

● Ordnungssinn und systematisches Denken. Aufgrund der geradezu als Baukastensystem zu interpretierenden Formenlehre und grammatikalischen Struktur des Lateinischen ist eine entsprechende Organisation des eigenen Lernens sicherlich vorteilhaft. Natürlich ist dies erlernbar, doch bedeutet es zumindest einen gewissen Anfangsvorsprung, wenn man bereits von Haus aus etwas mehr Ordnungssinn und einen höheren Grad an systematischem Denken mitbringt.

● Fleiß und Ausdauer. Latein zu lernen, bedeutet Arbeit und einen langen Atem zu haben. Insbesondere müssen Vokabeln und Formenlehre konsequent gelernt bzw. regelmäßig wiederholt werden. Dies ist bekanntermaßen nicht jedermanns Sache. Wer jedoch vor allem in den ersten beiden Jahren „durchhält“, wird sehr bald feststellen, dass Latein – auch wenn man es in der Regel nicht mehr spricht – eine Sprache, wie jede andere, und von diesen nicht einmal die schwerste, ist.

● Spaß am Lesen. Dies resultiert aus der Tatsache, dass der Lateinunterricht sowohl in der Spracherwerbsphase als auch danach vor allem ein Umgang mit geschriebenen Texten ist.

 

4. Angebot und Organisation des Lateinunterrichts an der TMS

Zurzeit wird Latein an der Theodor-Mommsen-Schule nach Englisch alternativ zu Französisch als zweite Fremdsprache und (je nach Nachfrage) alternativ zu Französisch oder Spanisch als dritte Fremdsprache angeboten. Als Abschluss können für Latein als zweite Fremdsprache das Kleine Latinum, das Latinum sowie das Große Latinum erworben werden. Für Latein als dritte Fremdsprache ist das Große Latinum hingegen in der Regel nicht möglich.

Latein als zweite Fremdsprache wird bei G8 ab der 6. Klasse wöchentlich drei oder vier Stunden unterrichtet (Lehrbuch: „Actio“), Latein als dritte Fremdsprache bei G9 ab der 9. Klasse und bei G8 ab der 8. Klasse mit ebenfalls wöchentlich drei bzw. vier Stunden (Lehrbuch: „Latein drei“). Spätestens ab Mitte des vierten Lernjahres (Latein II) bzw. Mitte des dritten Lernjahres (Latein III) wird vom Lehrbuch zur Lektüre von lateinischen Originaltexten (insbesondere von Cicero, Livius, Ovid, Catull und Vergil) übergegangen. Hieraus folgt, dass denjenigen, die Latein als dritte Fremdsprache gewählt haben, für die Spracherwerbsphase deutlich weniger Zeit zur Verfügung steht als denjenigen, die Latein bereits als zweite Fremdsprache belegt haben. Dieser Umstand sollte bei der Fremdsprachenwahl berücksichtigt werden, und die Praxis hat gezeigt, dass Latein als dritte Fremdsprache nur solche Schülerinnen und Schüler wählen sollten, die neben der erforderlichen Lerndisziplin und Ausdauer über eine besondere Sprachbegabung verfügen.

Der „normale“ Sprachunterricht an der TMS wird im Fach Latein ergänzt durch eine Reihe besonderer inner- und außerschulischer Aktivitäten. Hierzu gehören neben der regelmäßigen Teilnahme an Sprachwettbewerben („Certamen Cimbricum“) speziell in diesem Schuljahr die Einübung und geplante Aufführung eines Theaterstückes des antiken Komödiendichters Plautus sowie eine Xanten-Exkursion mit den 8. Klassen. Exkursionen fanden und finden außerdem zum (angeblichen) Varusschlachtfeld nach Kalkriese (Oberstufe) und in die spätantike Reichshauptstadt Trier (Oberstufe) statt. Hinzu kommen (je nach Angebot) Fahrten zu wechselnden, aktuellen Ausstellungen.

Momentan unterrichten folgenden Kolleginnen und Kollegen Latein an der TMS: Frau Gaebel (Gae), Frau Rettke (Rtk), Herr Bergmann (Bg), Herr Dr. Gebhardt (Ge), Herr Junge (Jg), Herr Maertens (Mae), Herr Schwantes (Swt) und Herr Wienicke (Wi).