Philosophie

 Sapere aude!

(Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!)

Das Fach Philosophie wird an der TMS – zumeist zusammengefasst in Kursen - in den Klassenstufen 5-7 sowie 11-13 jeweils zweistündig unterrichtet. Durch die Umsetzung der Profiloberstufe ist das Fach in der Oberstufe deutlich gestärkt. Musste man sonst immer bangen, ob ein Kurs im 13. Jahrgang zustande kommt (er kam letztlich immer zustande…), ist das Fach jetzt fest auch im 13. Jahrgang eingebunden. Ein ebenso deutlicher Nachteil ist allerdings, dass die Kurse im Schnitt größer geworden sind. Dabei ist erfreulich, dass sich das Fach über Jahre hinaus im Abitur etabliert hat. Regelmäßig legen SchülerInnen mündliche wie auch schriftliche Abitursprüfungen in diesem Fach ab.

Es wird zu diskutieren sein, inwiefern das Fach Philosophie – inhaltlich wie auch organisatorisch – in der Profiloberstufe als profilbegleitendes Fach zu einem profilgebenden Fach (z.B. in einem naturwissenschaftlichen oder auch in einem ästhetischen Profil) eingesetzt werden kann.

Die eigentliche Fachschaft Philosophie ist relativ klein. Dies macht erforderlich, dass neben den ausgebildeten Fachlehrern sich immer wieder interessierte Kollegen und Kolleginnen mit großem Engagement und hohem zeitlichen Aufwand in die Inhalte des Faches einarbeiten, um in fast allen Klassenstufen eingesetzt werden zu können.

Jeder Schüler, der in die 5. Klasse kommt, ist schon ein Philosoph. Immer dann, wenn man über sich und seine Zukunft, sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen, zu seiner Umwelt und auch zu Gott nachgedacht hat, hat man – bewusst oder unbewusst – philosophiert.

Es gibt immer wieder Gelegenheiten, wo man sich eine Auszeit vom alltäglichen Lebensvollzug nimmt, innehält, um nach- und weiterzudenken, um sein Leben mit einem gewissen gedanklichen Anstand und vielleicht auch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten (Philosophie als der ‚zweite Blick’ oder als ‚ver-rücktes’ Denken). Gerade Kinder haben noch die Fähigkeit, sich zu wundern und im besten Sinne naiv zu fragen. Sie bringen diese Fragebereitschaft und auch Antwort- und Auskunftsbereitschaft noch unbekümmert mit in den Unterricht und sind gedanklich noch nicht so verbaut wie teilweise Erwachsene oder auch schon manche SchülerInnen der Oberstufe (weshalb der Philosophieunterricht in den unteren Klassen mitunter spannender ist als in der Oberstufe).

Alltägliches und uns Selbstverständliches wird in Frage gestellt. (Ja! Man kann über einen Tisch philosophieren!) Vorgegebene Ge- und Verbote, Werte und Normen werden kritisch hinterfragt und auf eigene gedankliche Füße gestellt.

Sapere aude!

Woher kommt eigentlich mein Wissen? Wie kommt der Naturwissenschaftler zu seinem Wissen? Wie gewiss ist dieses Wissen? Inwieweit kann ich mich auf meine Wahrnehmung, meine Bücher, mein „Wissen“ aus dem Fernsehen und dem Internet verlassen? Kann ich überhaupt etwas mit absoluter Gewissheit wissen? (Descartes hat dazu eine Antwort…)

Das sind Fragen der Erkenntnisphilosophie und der Wissenschaftstheorie.

Ein Beispiel aus der Orientierungsstufe: Gibt es Situationen, in denen ich lügen darf? Warum soll ich eigentlich nicht auch einmal in einer Klassenarbeit schummeln? Andere machen das doch auch! Ist das so schlimm?

Oder Fragen aus der Oberstufe: Ist es moralisch vertretbar abzutreiben? Wie stehe ich zur Sterbehilfe? Was weiß ich über Gentechnologie und Bioethik? Ist der Wissenschaftler für seine Forschung verantwortlich?

Das sind Beispiele der vielen Fragen, die die Philosophie des menschlichen Handelns (Ethik) betreffen. Ich bin für mein Handeln (oder bzw. gerade auch für mein Nicht- Handeln) immer verantwortlich und muss dieses rechtfertigen können.

Dies setzt voraus, dass ich mich frei entscheiden kann. Doch wie frei bin ich eigentlich wirklich in meinem Denken und Handeln? Steuern in der Pubertät nicht eher die Hormone mein Verhalten? Stehe ich nicht dauernd unter den Zwängen, die die Gesellschaft mir auferlegt?

Es gibt diese Fragen, die mir kein Naturwissenschaftlich durch Beobachtung und Experimente beantworten kann: Was ist Freiheit? Was ist Glück? Was ist der Sinn meines Lebens? Was ist die Seele oder was ist der Geist in meinem Kopf? Auch: Was ist Gott? Kann ich plausibel erklären (‚beweisen’), dass es ihn gibt bzw. dass es ihn nicht geben kann?

Das Fragegebiet, das sich mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt, bezeichnet der Philosoph als ‚Metaphysik’.

Zusammengefasst: Was ist der Mensch als erkennendes und handelndes Wesen, der zudem in der Lage ist, über Fragen nachzudenken, deren Beantwortung den engeren Bereich des Wahrnehmbaren verlassen.

Oder anders ausgedrückt:

Wer bin ich? Was macht mich als einzigartiges, unverwechselbares Wesen aus?

Fragen zu diesen drei Gebieten (Erkenntnisphilosophie, Ethik und Metaphysik) finden sich in den Lehrplänen aller Klassenstufen wieder.

Wie oben schon erwähnt kann auch im Philosophieunterricht die Frage nach Gott gestellt werden. Die religiöse Dimension gehört zum Wesen des Menschseins. Selbst wenn ich nicht an Gott glaube, muss ich mir ja schon Gedanken gemacht haben, was ich denn unter „Gott“ verstehe. Zu dieser religiösen Dimension gehören z.B. auch Fragen nach dem Ursprung (Schöpfung), Behandlung von christlichen Grundannahmen und Grundwerten (z.B. Nächstenliebe, Feindesliebe). Dies ist insbesondere deshalb wichtig, da die SchülerInnen in einer christlich geprägten Kultur heranwachsen und nicht durch den Religionsunterricht – eventuell auch nicht durch den Besuch des Konfirmandenunterrichts – an dieses Wissen herangeführt werden, sodass z.B. Bezüge zum Christentum im Literaturunterricht unverständlich bleiben.

Im Philosophieunterricht können ferner auch Wissenschaften eingebunden werden, die nicht durch ein eigenes Unterrichtsfach an der Schule vertreten sind. Dies betrifft z.B. die Psychologie, die Soziologie oder die Pädagogik.

Joachim Schmalen

(Fachobmann Philosophie)

Stand Mai 2011