Trinationales Friedensprojekt mit Spanien und Polen

Zehn Schüler aus Wroclaw (Breslau), sieben Schüler aus Alicante und zwölf Schüler der TMS forschten vom 28. Oktober bis zum 4. November 2007 in Kreisau, dem ehemaligem Besitz von Helmuth James Graf von Moltke zum Thema NS-Widerstand. Im März 2008 werden die Schüler aus Polen und Spanien uns in Deutschland besuchen.

Gruppenbild_Friedensprojekt

Das Gut Kreisau im heutigen Polen gehörte Helmuth James von Moltke und seiner Frau Freya von Moltke. Der Kreisauer Kreis bestand aus NS-Gegnern im Zweiten Weltkrieg, die sich eine politische und gesellschaftliche Neuordnung Deutschlands zum Ziel gesetzt hatten. Die Köpfe der Gruppe waren der schon erwähnte Helmuth James Graf von Moltke, ein Nachkomme vom berühmten Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke, und Peter York Graf von Wartenburg. Von Moltke wurde als der Kopf und von Wartenburg als das Herz des Kreisauer Kreises bezeichnet. Die einzelnen Mitglieder kannten sich nicht untereinander, nur von Moltke und von Wartenburg hatten einen Gesamtüberblick über alle Mitglieder, da jeder Widerstand zur Zeit des dritten Reichs hart bestraft wurde.

Die Treffen fanden als Familienfeiern oder als Treffen mit Freunden getarnt statt. Während Moltkes einjähriger Haft plante Claus Schenk Graf von Stauffenberg das berühmte Attentat auf Hitler (20. Juli 1944). Da dieses aber misslang, begann die Gestapo nachzuforschen und entdeckte auch die Verbindung zum Kreisauer Kreis. In Folge dessen wurden Moltke und Wartenburg hingerichtet. Freya von Moltke verließ Kreisau und das Gut wurde später vom kommunistischen Polen übernommen und es verfiel allmählich. Parallel zum Mauerfall 1990 und im Zuge des Endes des Ost-West-Konfliktes wurde in Kreisau eine deutsch-polnische Friedenskonferenz abgehalten. Damals wurde beschlossen, Schloss und Gutsgebäude wieder in Stand zu setzen und aus ihnen eine internationale Jugendbegegnungsstätte zu machen.

Und so waren wir Oldesloer Schüler nach einer rund zehnstündigen Bahnfahrt nachmittags in Breslau angekommen und wurden herzlich von unseren polnischen Projektpartnern begrüßt. Die Spanier waren schon in Berlin zu uns gestoßen. Da es schon dunkel war, als wir in Kreisau ankamen, konnten wir vom Gut noch nicht sehr viel sehen. Von den Zimmern waren wir angenehm überrascht. Auch das Abendessen hat uns überrascht, weil man aus Jugendherbergen nicht so leckeres Essen gewohnt ist.

Es stellte sich heraus, dass nicht alle Polen und Spanier so gut wie geplant deutsch und englisch sprechen konnten. Aber zum Glück gab es ein paar Leute, die gut englisch konnten und eine Spanierin sogar deutsch. Sie mussten dann als Dolmetscher fungieren. Als wir morgens aus unserem Fenster geguckt haben, waren wir schier überwältigt. Man kann den Anblick, den wir hatten, kaum beschreiben. Es war wunderschön. Bei der Rallye am Montag lernten wir Kreisau, das Gut und das Berghaus kennen. Im Berghaus haben wir am Dienstagabend Briefe von Helmuth James von Moltke an seine Frau in allen drei Sprachen vorgelesen. Diese Briefe waren sehr bewegend, besonders der letzte, da von Moltke ihn geschrieben hat, als er wusste, dass er hingerichtet werden wird.

In unseren Arbeitsgruppen waren wir national gemischt. Es gab eine Gruppe, die sich mit den Briefen von Reinhold Meyer und Helmuth James von Moltke beschäftigte. Eine zweite Gruppe betrieb Recherchen zur Weiße Rose und zum polnischen Widerstand. Hierzu wurden auch Plakate entworfen. Die mit Abstand größte Gruppe war die Theatergruppe, die mit Hilfe von Rafael, dem spanischen Lehrer, ein Stück zum späteren Neuengamme-Häftling José Lopez einstudiert. Die vierte Gruppe unterstützte die Theater- und Briefegruppe musikalisch. Diese Präsentation wird am Freitag, dem 14. März um 19.00 Uhr an der TMS zu erleben sein.

Ein Zeitzeugengespräch mit einem Vertreter der polnischen Heimatarmee hat sehr zum Nachdenken angeregt. Ryszard Filipowicz, geboren 1927, erzählte von seiner Zeit in dieser Widerstandsgruppe, in die er schon mit 16 eingetreten war. Er beteiligte sich an Sabotageakten. Was besonders interessant ist, dass alles so geheim gehalten wurde, dass nicht einmal sein Vater über seine Aktivitäten Bescheid wusste. Aus seiner Heimatstadt Vilnius floh er nach Breslau, wo er heute noch lebt.

Des Weiteren besichtigten wir Schloss Fürstenstein, das ein Versteck von Hitler werden sollte, und nicht weit entfernte Stollen, die ebenfalls zu Zeit des Zweiten Weltkrieges entstanden, um dort vermeintlich sicher arbeiten bzw. agieren zu können. Ein Großteil steht inzwischen unter Wasser, sodass wir mit Booten dadurch fuhren. Sie sollten unter anderem auch als Waffenfabrik oder -lager dienen.

Wir lernten auch Breslau gut kennen. Da Frau Urlich-Kornacka, die polnische Lehrerin, auch als Stadtführerin tätig ist, konnte sie uns viel über die Geschichte dieser wunderschönen Stadt erzählen.

Den letzten gemeinsamen Abend, also Freitag (denn die Spanier mussten schon Samstag von Breslau nach Berlin fahren um ihren frühen Flug nach Alicante zu bekommen), verbrachten wir gemeinsam im Schloss und auf dem langen Flur vor unseren Zimmern. Wir saßen dort alle zusammen während einige Jungs der Polen und Spanier Musik machten. Ich glaube, wenn ich mir den schönsten Moment von der ganzen Woche aussuchen dürfte, wäre es dieser. An diesem Abend hat man gespürt, dass wir nicht mehr drei verschiedene Gruppen waren, sondern eine. Wir gehören zusammen.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Bahnhof und haben uns von den Spaniern verabschiedet. Es flossen viele Tränen. Man hat ganz oft "See you in March!" gesagt, aber getröstet hat es trotzdem nicht. Am letzten Tag haben wir uns dann noch das Panorama in Breslau und die polnische Schule besichtigt. Die Nacht haben wir in einer Jugendherberge in Breslau verbracht. Am Morgen des letzten Tages sind wir ganz früh aufgestanden und haben uns auch von den Polen verabschiedet. Schließlich kamen wir abends in Bad Oldesloe wieder am Bahnhof an. Wir waren alle froh wieder zu Hause zu sein, vermissten die Spanier und Polen aber jetzt schon. Aber wir hatten ja E-Mail-Adressen ausgetauscht, um in Kontakt zu bleiben. Und jetzt, schon ein paar Wochen wieder zu Hause, zählen wir die Tage bis wir uns im März in Bad Oldesloe wiedersehen. Und wir möchten uns noch einmal bei Frau Behrendt, Frau Urlich-Kornacka und Herrn Valdueza bedanken, die uns ihre Zeit zur Verfügung gestellt und das Projekt überhaupt ermöglicht haben, wie auch unserem Financier, der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft - Europeans for Peace.

Unsere zweite Begegnung findet vom 9. März bis zum 16. März 2008 in Neuengamme statt und die Präsentation am 14. März 08 um 19.00 Uhr in der Aula der Theodor-Mommsen-Schule.

von Stine Tredop aus der Klasse 10d