Der erste Unterricht 1958

vom Stadtbaumeister Heinemann (1958 im Jahresbericht der TMS veröffentlicht)
Der erste Unterricht wurde im sogenannten "alten Logierhaus" erteilt. Ursprünglich Privatschule, wurde die Anstalt 1875 von der Stadt übernommen.

Erster Unterricht1Erster Unterricht2Da die Räume in dem genannten Hause den Anforderungen einer Schule in keiner Weise entsprachen, bezog die Anstalt Ostern 1878 das für sie umgebaute frühere Salinen-Offiziantengebäude. Dieses Haus war 1737 von den Mährischen Brüdern errichtet worden und hatte vor seinem Umbau als Schule dem 2.Bataillon des 76.Infanterieregimentes als Kaserne gedient. Die Anstalt kann hier - vom Standpunkt der damaligen Verhältnisse aus betrachtet - als gut untergebracht angesehen werden. Auf jeden Fall schätzten sich Lehrer und Schüler glücklich, endlich ein Schulgebäude für sich zu haben.
Außer den erforderlichen Klassenräumen waren eine Aula, ein Physik- und ein Zeichenraum vorhanden; später kam noch ein Raum für den Botanikunterricht dazu, Auch ein Schulgarten wurde auf eigens dafür erworbenem Gelände angelegt.
Die Wohnung des Schulleiters befand sich zunächst noch im Schulgebäude, musste aber wegen der schnell anwachsenden Schülerzahl für Unterrichtszwecke hergerichtet und benutzt werden. Die Räume waren, mit den heutigen verglichen, nur klein. Die Aula war nur l4 x 6,60 ,, der Zeichensaal 13 x 4 m groß. Das Physikzimmer enthielt 18 Sitzplätze. Eine eigene Turnhalle hatte die Anstalt noch nicht. Im Sommer wurde der Turnunterricht im Freien erteilt, im Winter in einem gemieteten Wirtshaussaal. Diesem Übelstand wurde erst 1898 durch den Bau der Turnhalle an der Großen Salinenstraße abgeholfen, die allen hiesigen Schulen zur Verfügung stand.
Um die Jahrhundertwende aber war dieses Schulgebäude für die weiter ansteigende Schülerzahl zu klein geworden, seine Einrichtung den gesteigerten Anforderungen nicht mehr gewachsen. Das Haus, das ursprünglich für ca. 100 Schüler bemessen war, reichte für die auf 225 angestiegene Schülerzahl und die 10 Lehrkräfte nicht aus. Zwei Klassen mussten bereits außerhalb des Hauses in der gewerblichen Fortbildungsschule unterrichtet werden.
Auch der bauliche Zustand. des Gebäudes war im, Laufe der Zeit mangelhaft geworden, die schmalen Gänge und Treppen waren ausgetreten, die baufälligen Öfen erhöhten die Brandgefahr als Beleuchtung dienten Petroleumlampen. Über die Bänke liest man, dass sie größtenteils keine Rückenlehnen besaßen. Dr. Bangert, der damalige Direktor der Anstalt, berichtete in mehreren Eingaben an den Magistrat sehr eingehend über den herrschenden Notstand und bat dringend, für Abhilfe zu sorgen, um die Schüler vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren.
Nach einer Besichtigung des Gebäudes trugen sich die städtischen Kollegien zunächst mit dem Gedanken, das vorhandene Haus umzubauen und zu erweitern. Die Baukosten für diesen Entwurf beliefen sich auf rund 50 000 Mark. Das Projekt wurde jedoch fallengelassen, als der Kgl. Kreis-Assistenzarzt in seinem Gutachten vom 9. April 1906 wegen des allgemeinen schlechten Gebäudezustandes dringend von einer Renovierung abriet und einen Neubau empfahl. Daraufhin erteilte der Magistrat am 25. April 1906 dem damaligen Stadtbaumeister Schröder den Auftrag, Entwürfe eines Schulgebäudes vorzubereiten, die allen Anforderungen, die an eine Schule als künftige Vollanstalt zu stellen waren, gerecht würden.
Nach vorausgegangenen Beratungen mit dem Landesbauinspektor legte das Stadtbauamt bald danach fünf Entwürfe zur Auswahl vor, wovon ein Entwurf mit geringfügigen Abänderungen später zur Durchführung gelangte. Die endgültigen Baupläne waren im Juni 1907 fertiggestellt. Mit den Bauarbeiten wurde im September 1907 begonnen und am 7. Januar 1909 - nach einer Bauzeit von ungefähr 16 Monaten - konnte das Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Einschließlich der Turnhalle beliefen sich die Baukosten auf 290 000 Mark. Diese Mittel sind von der damals nur rund 5000 Einwohner zählenden Stadt ohne fremde Hilfe aufgebracht worden; was Zeugnis ablegt von hohem Bürgersinn und der Schulfreudigkeit jener Menschen.

Erster Unterricht3Erster Unterricht4Es wäre ungerecht, wenn nicht an dieser Stelle ebenfalls die architektonische Leistung gewürdigt würde, auch wenn unsere Formsprache inzwischen eine ganz andere geworden ist. Die wesentlichen Forderungen des modernen Schulbaues: Licht, Luft, Bewegungsfreiheit, sind in diesem Bau bereits erfüllt worden. Die Gesamtanlage ist in jeder Hinsicht großzügig und weitschauend geplant, was sich besonders segensreich nach dem letzten Kriege auswirkte. Als die Schülerzahl damals durch die zuströmenden Flüchtlinge um das Doppelte anschwoll, wurde es nicht notwendig, Schichtunterricht einzuführen, wie dieses bei fast allen anderen Schulen der Fall war. Es genügte, dass zunächst die Fachklassen, Vorbereitungs- und Sammlungsräume für den allgemeinen Unterricht mitverwendet wurden. 1952 wurden dann vier Klassen in provisorisch ausgebauten Räumen im Dachgeschoss untergebracht.