Die Schule und ihr Haus - immer ein Kind ihrer Zeit

Artikel aus dem Stormaner Tageblatt vom 9. und 10. November 1991 (Bilder ergänzt)
280 000 Goldmark kostete Anfang des Jahrhunderts der Neubau des "Realprogymnasium" in der Hamburger Straße. 15 Monate hatten die Handwerker für dieses neo-gotische Gebäude mit Jugendstil-Elementen gebraucht, das im Januar 1909 eingeweiht wurde. 1912 erfolgte die Anerkennung als Oberrealschule. Im gleichen Jahr legten die ersten zwölf Oberprimaner dort ihre Reifeprüfung ab.
In der zwanziger Jahren wurde das Haus zum ersten Mal umgebaut. Gab es bis dahin drei Giebel, so blieb jetzt nur noch der große Giebel in der Mitte übrig. Das verspielte Element wich zugunsten eines mehr sachlichen Baustils mit viel Glas und geschwungenen Formen. Das Ursprungsgebäude blieb aber erhalten, wurde sogar durch den Verzicht auf "preußische
Schnörkel" noch stärker betont.

Im dritten Reich wird aus der Bildungsstätte nicht nur eine Oberschule. Die Nazi-Zeit drückt sich natürlich auch in der Namensgebung aus. Ab 1937 hieß die Bildungsstätte Horst-Wessel-Schule.

  Zum Kriegsende musste der Unterricht eingestellt werden. 1945 wurde dort ein Lazarett eingerichtet. Erst im darauffolgenden Jahr begann langsam wieder der Unterricht.

1950 erhielt die Schule dann den Namen, den sie heute noch trägt: Theodor-Mommsen-Schule. (Der Vater von Theodor Mommsen war Diakon in Bad Oldesloe). Mit dem neuen Namen musste die Schule auch baldein neues Aussehen bekommen: Der alte Dachstuhl war vom Holzwurm befallen.

In den fünfziger Jahren wurde sachlich und zweckorientiert sowie billig gebaut Die "neue TMS" mit Flachdach erinnerte mehr an eine Verwaltung als ein altes Gymnasium. Dafür gab es zwei Gründe: Für eine grundlegende Sanierung des Daches hatte man kein Geld, und man brauchte Platz für neue Schulräume.   Dieser Zweckbau war aber ebenfalls nur eine

Zwischenphase. Schon Mitte der 70er Jahre mussten die Handwerker wieder anrücken. Die Decke im Hauptgebäude der mittlerweile vergrößerten Schulen drohte einzustürzen.
   Heute ist der (vorerst) letzte Umbau der Theodor-Mommsen-Schule abgeschlossen. Die großen Fensterflächen erinnern an das Originalgebäude von 1909. Das Flachdach wich einem Giebel, der durch Gauben aufgelockert wurde. Auf weitere Giebel rechts und links hat man ebenso verzichtet wie auf die Wiederholung der geschwungenen Form aus den 20er Jahren. Die TMS ist heute wieder als eine alte und traditionsreiche Bildungsstätte sichtbar.

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