Cello für alle - auch für Karla
Im Rahmen des Nickeleit Stipendiums nahm ich an „Cello für alle“ teil. Seit der Streicherklasse spiele ich Cello. Und das Nordkolleg war für mich schon bei verschiedenen Projekten eine Herberge. Umso mehr freute ich mich schon im Vorhinein auf großartiges Essen, Spaziergänge am Kanal und gemeinsames Singen.
Im Zentrum des Projektes „Cello für alle“ steht das gemeinsame Spielen in einem mehrstimmigen Celloorchester zur Erarbeitung eines Konzertes am letzten Tag in der Christkirche Rendsburg. Ein Tag könnte so ausgesehen haben:
Aufstehen, Frühstücken, Mendelssohn, Schubert, Gershwin, Mittagessen, Spaziergang am Kanal, Byrd, Vivaldi, Waterhouse, Kaffeepause, Chaplin, Casals, Abendessen, Mendelssohn, Schubert, eine Runde Uno zum Ausklang.
Zusammengefasst haben wir täglich viele Stunden geübt, aber auch wunderbare Gespräche geführt und Spaß gehabt. Etwas Besonderes ist dabei außerdem, dass es sich um eine altersgemischte Gruppe handelt. Gemäß dem Titel „Cello für alle“ waren Cellistinnen und Cellisten von 14 bis 81 Jahren beteiligt. Das gemeinsame Musizieren bringt die Gruppe direkt auf einen Nenner, sodass persönlicher Austausch und Insider quasi vorprogrammiert sind.
Als ich am Sonntag in Rendsburg ankam, war das ein wenig wie nach Hause kommen. Das Proben begann direkt nach dem Beziehen der Zimmer mit lustigen Rhythmusübungen. Wir haben Silben wie „Puff“ oder „La“ genutzt, um Einsätze und kompliziertere Rhythmen zu erfassen. Dann gab es Übungen, die uns erst einmal nur als Orchester zusammenbringen sollten. Dazu spielten wir eine Tonleiter, in die zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingesetzt wurde. So lernten wir, aufeinander zu hören.
Gleich danach begann das Erarbeiten des Programms, über das sich Leiterin Gudrun Schröder bereits über ein Jahr im Voraus Gedanken gemacht hatte. Die Stücke kamen aus vielen verschiedenen Epochen, in verschiedenen Tempi und in unterschiedlicher Besetzung, was das Programm vielfältig und die Proben sehr spannend machte.
Gleich am Sonntag setzten wir uns abends zusammen und spielten Karten, aßen Süßigkeiten und sprachen über alles Mögliche. An den folgenden Abenden lernte ich jonglieren, wir sangen Lieder über Maden, Kühe und die Welt.
Jeden der darauffolgenden Tage hatte Gudrun andere spannende Übungen für uns. Manchmal haben wir die Stücke sogar einfach gesungen. Dadurch verstanden wir die Phrasen und Harmonien besser und man merkte, wie sich das gemeinsame Klanggefühl immer weiter verfeinerte.
Im Laufe der Woche wuchsen wir als Ensemble spürbar zusammen. Jeder Ton wurde bewusster, die Einsätze präziser, und gleichzeitig blieb immer Raum für Humor. Besonders eindrücklich war für mich wie sich eine Verbindung zwischen allen, egal ob jugendlichen oder älteren Spielern, bildete. Es entstand eine besondere Atmosphäre, gefüllt von der Freude am Musizieren.
Neben der intensiven Probenarbeit blieb aber auch Zeit, die Umgebung zu genießen. Der Kanal wurde schnell zu einem Lieblingsort für kleine Pausen und Gespräche. Und natürlich durfte das legendäre Nordkolleg-Essen nicht fehlen.
Das Abschlusskonzert in der Christkirche bildete schließlich den Höhepunkt. Die Akustik des Raumes, das feine Zusammenspiel und die gespannte Stille vor dem ersten Ton, all das machte den Moment unvergesslich. Am Ende war es wieder viel zu schnell vorbei, wenn man bedenkt, wie oft wir vor dem finalen Auftritt jedes einzelne Stück gespielt hatten und wie viel Arbeit hineingesteckt wurde, das Konzert so schön wie möglich zu machen.
Dank der großzügigen Unterstützung von Herrn Nickeleit kann ich mich jetzt schon auf das nächste Jahr in Rendsburg freuen, wenn ich wieder an diesem unvergesslichen Projekt teilnehmen darf.

